Dienstag, 7. Oktober 2008

Newsflash aus La Paz

Servus Muenchen,

schon lange habe ich nichts mehr von mir hoeren lassen, aber nun ist es endlich wieder so weit.

Erstmal moechte ich mich bei allen fuer ihre so herzlichen Geburtstagsgruesse bedanken, ueber die ich mich wirklich hammer gefreut habe und die mich wissen lassen, dass man mich in meiner Heimat noch nicht vergessen hat. Also hier nochmal offiziell: Vielen Dank !!!
Meinen Geburtsatag habe ich auch hier ausgewogen gefeiert mit einer fette Hauspaty, vielen Gaesten und noch vielmehr Alkohol; die leeren Rum - und Singaniflaschen (Singani = bolivianisches Volksgetraenk) stehen jetzt noch im Haus rum. Wie ihr also alle seht, bin auch ich hier in Bolivien mit viel Laerm und Flaschenklirren ins 2. Jahrzehnt meines hoffentlich noch langen Lebens hineingerutscht. Los gings schon um 12 Uhr nachts, als ich im eher "kleineren Kreise", d.h. mit meinem Zimmerkollegen Fidel zum erten Mal anstiess und somit in meinen Zwanzigsten reinfeierte:


Tagsueber wurde dann im Projekt noch ausgewogen gefeiert und ich habe mindestens 2 Torten alleine gefressen - die bolivianischen Torten sind auch echt der Hammer. Dazu habe ich noch ein paar echt geile bolivianische Geburtstaglieder gelernt. Abends waren wir dann alle auf einer sog. "Quince-Feier" eingeladen, das ist der fuenfzehnte Geburtstag der Maedchen, welcher hier in Lateinamerika ganz besonders gefeiert wird, eher wie eine Hochzeit als ein Geburtstag

Dort gabs dann nochmal ne richtig krasse Torte:

Die Leute waren schick gekleidet...


... die Dj`s legten viel Reggaeton und Cumbia auf und die Maedels, puuuh ...


... obwohl diese Bolivianerin schon sehr europaeische Akzente traegt.

Unsere richtig krasse Hausparty war dann erst am Samstag, den 27.09. ... d.h. ein PartyWE, wie ich es schon lange Zeit nicht mehr erlebt habe; dafuer war ich dann aber auch das darauffolgende Wochenende zu fertig, um nur einen Schritt vor die Haustuere zu tun.

Zum Thema "Krass" faellt mir gerade noch ein, dass ich noch gar nichts von unserem Tuntenfest erzaehlt habe, welches vor ca. 4 Wochen stattfand und welches ich ja schon im letzten Blogeintrag angekuendigt habe. Dieses Fest, das "Coronaciòn Bufa" (dt. Narrenkroenung) genannt wird, findet hier einmal im Jahr statt und stellt in etwa eine Modenshow dar, mit dem einzigen Haken, dass Maenner als Frauen und Frauen als Maenner erscheinen muessen.

Hier ein Foto von Sebastiane und Samuela, die mehr oder weniger zur Teilnahme an diesem Akt gezwungen wurden:


Aber, um von irgendwelchen Party- und Tuntenstorys wieder zum Ernst des Lebens zurueckzukommen, moechte ich jetzt von einem Vorfall berichten, der sich schon vor einigen Wochen ereignete, von dem ich aber in meinem Blog bis jetzt noch nicht berichtete. So will ich nun auch nicht noch laenger darum herumreden und gleich mal mit der Tuer ins Haus fallen: Es war der erste richtige Raubueberfall auf einen unserer Voluntaere. Der betroffene Voluntaer ist als Streetworker den ganzen Tag auf der Strasse taetig und deshalb auch hin und wieder in abgelegeneren Gassen und Vierteln unterwegs. In solch einer Gasse, in der sich nach seinen eigenen Angaben kein Mensch ausser ihm befand, wurde er an jenem Tage von einem Polizisten aufgehalten, der ihn einer "angeblichen Drogenkontrolle" unterziehen wollte. Der Polizist, welcher sich auch als solch einer auswies, zwang meinen Mitbewohner daraufhin in seinen Wagen und durchwuehlte seinen Rucksack. Bei dieser Aktion entwendete er dem Mitvoluntaer seine Digitalkamera, ohne ihm selbst aber - und dazu muss man Gottseidank sagen - irgendwelchen koerperlichen Schaden zuzufuegen. Natuerlich waren wir Alle ueber dieses Ereignis ziemlich geschockt und es gab unserem stolzen Selbstmut irgendwie auch einen Rueckschlag. Jedoch merkten wir an jener Erfahrung erstmals, dass wir uns in dieser Stadt nach so kurzer Zeit schon viel zu sicher fuehlen und, dass die Situation in der wir uns hier befinden eigentlich so unberechenbar ist, dass wir sie laengst noch nicht wirklich einschaetzen koennen.

OK, dann haetten wir das nun auch gesagt. Nun noch zwei Saetze und drei Fotos zu unserem letzten Ausflug, den wir mit der ganzen Gruppe antraten. Diese Ausfluege, welche wir monatlich machen, nennen sich "Gruppenaktivitaet" und sollen gruppenbindende Wirkung haben. Der Ausflug ging nach Tiwuanaku, einen Ort mitten in der Periferica oder einfach nur im Nix. In Tiwuanaku lassen sich Relikte aus der Incazeit besichtigen und auch ein paar Eisenbahnschienen, ka wie das in Zusammenhang steht, aber durchaus aeusserst interessant... ;) Hier nun die Fotos:

Samu, Linda und Ich

Sebito y Sophie


Al Fin del Mundo: Das bolivianische Hochland

Dieses Wochenende fahren wir uebrigens Alle nach Cochabamba - 8 Stunden Busfahrt, puuuh ;dort soll es dafuer angeblich das angenehmste Klima, das besste und meiste Essen und die schoensten Frauen Boliviens geben...

Ausserdem hat vor Kurzem das Volleyballturnier der Fundación begonnen, bei dem die unterschiedlichen Projekte, das sind insgesamt ca. 10 Mannschaften, gegeneinander antreten. Ich bin zwar nicht gerade ein Ass im Volleyball - abgesehen von meinen aeusserst spektakulaeren Angaben natuerlich - und auch bin ich dem Fussball keineswegs untreu geworden - er ist immernoch meine absolute No. 1-, doch macht mir Volleyball hier einfach doch Spass, da die Bolivianer alle so klein sind und ich so gross, sodass ich einfach kein Blockduell verlieren kann.

Des Weiteren geht meine Gitarrenkarriere weiter...


... und ich bin so musikalisch, dass ich sogar schon anfange, Panfloete zu lernen.

Am Dienstag bekam ich von der Arbeit frei, damit ich aufs Nationalspiel "Bolivien - Uruguay" gehen konnte... leider nur ein 2:2, obwohl Bolivien ueber 90 Minuten deutlich besser gespielt hat.
Um zum Schluss nochmal auf das Thema Geburtstag zurueckzukommen, gratuliere ich hiermit meiner Heimat Deutschland zwar etwas verspaetet aber dennoch in aller Liebe zum Vaterland: Cumple Feliz Alemania !!! Hier in La Paz feierte ich den 3. Oktober wie ich das noch nie in Deutschland tat. Wir, d.h. alle Voluntaere der FAI und unser Chef Padre Neuenhofer waren naemlich am Tag der Deutschen Einheit in der Residenz des deutschen Botschafters zu einer riesen Gartengala eingeladen. So verbrachte ich jenen Tag, der ein wunderschoener Sommertag war, zusammen mit dem deutschen Botschafter und seiner Frau, wichtigen Vertretern aus bolivianischer Regierung und Militaer (u.a. dem bolivianischen Expraesidenten Eduardo Rodríguez), den Botschaftern aus Italien, Japan, China und Russland, dem Blumentopf-DJ Seppalot, welcher sich zur Zeit hier in La Paz aufhaelt, und ca. 500 weiteren prominenten Gaesten aus aller Welt, von denen aber nur wenige hier in La Paz so "prominent" sind wie wir und das ist jetzt nichtmal ironisch gemeint: Am Sonntag, dem 5. Oktober befand sich ein Foto von uns Voluntaeren der Fundación Arco Iris in der bolivianischen Tageszeitung El Diario auf der "Página de los Invitados Mas Importantes" (dt. Seite der wichtigsten Gaeste).



Die Deutsche Botschaftsresidenz



That´s life: High Society am Tag der Deutschen Einheit
Das wars dann eigentlich auch schon wieder mit den wichtigsten News aus La Paz. Hier noch einige weitere Fotos, ohne Zusammenhang:



Gangsta am Titicacasee



Julia und Ich


Vogelwild: Ich nach der "Horrornacht" in Copacabana


Ein Vollspack: Mein Zimmernachbar Fidel


Die Arco Iris Crew auf Party-Tour


Der Havannasaeufer

Da Playa of La Paz

La Paz in der Abenddaemmerung

Sonnenuntergang am Titicacasee

Als Letztes wollte ich nochmal betonen, dass ich mich ueber jeden Anruf aus Deutschland wahnsinnig freue, es ist ganz unkompliziert:

1. Billigvorwahl: z.B. 01067 (5 Cent/Minute)

2. Meine Nummer: 00591 / 22 731972

3. Frag nach Sebi

Ganz einfach!!! (nur Zeitverschiebung von 6 Stunden bitte beachten;

Beispiel: Deutschland 18.00 Uhr --> Bolivien 12.00 Uhr)

Also, das wars jetzt endgueltig von mir, wir hoeren uns, bye, $ebi ;)

Donnerstag, 18. September 2008

Wieder Mal Servus aus La Paz

Meiner Zeit wie immer ein gutes Stueck zurueck aber doch gewollt euch ueber alles Wichtige hier in Bolivien zu benachrichtigen, habe ich mir nun endlich mal wieder Zeit genommen, in meinen Blog zu schreiben. Anfangen moechte ich da, wo ich vor ca. 2 Wochen aufgehoert habe: mit unserer 'Massenpilgerung' nach Copacabana. Vorriges Wochenende fuhren wir naemlich, wie schon erwaehnt, zusammen mit der ganzen Fundacion, d.h. insg. 2000 Leute, inkl. Personal, Voluntaere, Strassenkinder, Heimkinder, Familien, Muetter - einfach alle Projekte, zu dem kleinen aber weltbekannten Kuestenort am Titicacasee. Ganze 30 Omnibusse starteten am Samstag Morgen jenes Wochenendes von La Paz aus Richtung Titicacasee. Nun kann man sich auch vorstellen, dass ein soches Wochenende - so idyllisch die Kulisse bzgl. Natur und Landschaft auch sein mag - doch ganz schoen anstrengend, um nicht zu sagen fast ¨Der Tod¨ ist, wenn man fuer eine Horde Kinder, so wie es ein jeder von uns Voluntaeren war, verantwortilch ist; das bedeutet, jedem Mitarbeiter der Fundacion Arco Iris wurden ca. 5 Benificiarios (dt. Hilfsbeduerfige) zugeteilt, auf die er rund um die Uhr aufpassen musste, sogar im Schlaf. Jedenfalls muss man sich erstmal die Dimension einer solchen Massenveranstaltunge vorstellen, sowohl im organisatorischen als auch finanziellen Sinne; nun ist es wohl meines Achtens fast schon eine logistische Meisterleistung, 2000 Menschen, darunter viele auf unterstem sozialen Niveau, in einem kleinen bolivianischen Dorf mit vllt. gerade einmal 500 Einwohnern unterzubringen und zu verpflegen - und trotzdem klappt dies jedes Jahr (die Pilgerung findet jedes Jahr statt) aufs Neue wieder erstaunlich gut. Um eine halbwegs adaequate Vorstellung von der Situation zu bekommen, fuehre man sich doch einfach mal den Chiemsee Reggae-Summer vor Augen, auf den ich ja dieses Jahr leider verzichten musste... also ein guter Ersatz ;)
Das Programm unserer Pilgerung war am Samstag sehr religioes gepraegt. Es fing an mit einem Gottesdienst in der beruehmten Basilika von Copacabana, danach gab es Mittagessen, spaeter dann hab ich mir mit nem Kollegen ein wenig Auszeit gegoennt, gechillt bei einer kuehlen Coke den Sonnenuntergang ueber dem Titicacasee reingezogen und so gegen ca. 20 Uhr fand dann der eigentliche Kern der gesamten Veranstaltung statt: Die Pilgerungs-Prozession in Form einer Nachtwanderung, wobei Jeder eine Laterne in der Farbe seines Projekts mit sich fuehrte - ein unbeschreibliches Szenario. Nach jener Prozession und viel Sinnlichkeit gab es dann eine mega fette Party im Kolusseum von Copacabana - mit viel Reggaeton, Perreo und krass vielen Menschen. Unser Projekt konnte bei einem Tanzwettbewerb mit einem beeindruckenden Salsa-Act uebrigens den 3. Platz ergattern; Preis war zwar nur ein *Basketball*, aber dafuer kann ich jetzt auch Salsa tanzen, was eigentlich gar nicht so schwer ist als man denkt, lediglich ein paar einfache Schritte und v.a. viel viel Sexymovimiento.
Nachdem der Padre persoenlich uns Voluntaere noch zu einem Midnight-Dinner mit Pizza und Vino Cliente einlud, ging es dann nach einem wahnsinnig anstrengenden Tag relativ frueh ins Bett, wobei das Wort Bett hier eher weniger als mehr zutrifft. Nun, ich schlief mit 2 weiteren Betreuern und 25 Kindern zusammen in einem stockduesternen Loch, das vllt. gerade mal die Groesse des 'Hobbyraums' hatte, somit schliefen wir eher uebereinander als nebeneinander und auch hatten wir keine Betten, sondern lediglich Heusaecke. Der Sonntag verlief aber dafuer umso entspannter; herrlicher Sonnenschein, Kanufahren, Eisessen und mein persoenlich absoluter Hoehepunkt: zusammen mit nem Freund aus dem Projekt auf einer 175 ccm Motocross um den Titicacasee heizen, fast bis nach Peru... einfach nur hammergeil. Da kommen fast wieder heimatliche Gefuehle auf und ich vermisse mein Baby, das in meiner Garage ein Jahr auf mich wartet.
Nach dem Mittagessen ging es dann auch gleich wieder Heim mit dem Bus, in der letzten Reihe natuerlich, mit Ghettoplaster und Dembow-Beat, ueber das Altiplano zurueck nach La Paz.
Fazit: Krasser Trip, mal was ganz Anderes, so wie ich es noch nie zuvor erlebt habe, hammer anstrengend, aber mit Spass verbunden und nahezu unwirklichen Bildern, die mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen werden.
Aber nun Mal was ganz Anderes, eher weniger Erfreuliches. Vielleicht sind Manchen von Euch folgende Infos schon aus den deutschen Nachrichten bekannt. Seit einigen Tagen befindet sich Bolivien naemlich in einer politischen Krise und es herrschen buergerkriegsaehnliche Zustaende in einigen Teilen des Landes. Der Kontext ist folgender: Letzte Woche verwies der bolivianische Praesident Evo Morales den amerikanischen Bootschafter des Landes, worauf die westlich orientierten Tieflandregionen Boliviens (v.a. Pando und Santa Cruz) ihre Autonomiebestrebungen wiederaufnahmen. Seitdem liefert sich das bolivianische Militaer derbe Strassenschlachten mit jenen Unabhaengigkeitsgruppen aus dem Sueden des Landes. Im Departamento La Paz ist es zwar im Moment noch erstaunlich ruhig, aber die Lage spitzt sich auch hier immer mehr zu. Beispielsweise Gestern war wegen einer Massendemonstration die gesamte Autobahn von La Paz nach El Alto gesperrt. Manche Botschaften, u.a. die venezolanische, haben schon Ausgangssperren fuer ihre Landesbuerger verhaengt, was ich aber als uebertrieben empfinde. Hier bei uns im Stadtteil Alto Obrajes, wo ich ja lebe und arbeite, bemerkt man nichts von der Krise. Und auch die eher weniger akute Gefahr eines landesweiten Buergerkrieges sinkt zunehmend, zumal heute in der Tageszeitung schon Verhandlungsbemuehungen zwischen den Konfliktparteien angezeigt waren.
Also, kein Grund zu tieferen Bedenken und Themawechsel.
Dieses Wochenende war ich wieder weg, von Samstag auf Sonntag, Heim kamen wir Morgens um halb 10, nachdem wir unsere Party-Tour mit einem grandiosen Fruehstueck im Ritz-Hotel abgeschlossen hatten... Fruehstuecksbuffet fuer grade mal 3 Euro; das bleibt aber auch bei einer einmaligen Sache.
Sonst gibt es eigentlich nicht viel Neues. Ich mache Fortschritte mit der Gitarre, der Schenkeloeffner ist in Arbeit und kommendes Wochenende gibt es einen Ball von der Fundacion, wo wir uns als Tunten verkleiden muessen... ich wuenschte der Raffa waere hier.
Also das wars dann schon wieder und ich melde mich, ihr wisst schon !!!

Aaales klar und biiiis Dann,

Ciao, Sebi

Dienstag, 2. September 2008

Da geht sich so Einiges...

Hallo Leude,

was spezielles hab ich heute nicht zu erzaehlen und es gibt auch nix Neues von irgendwelchen romantischen Inseln und Verlobungen. Nein, heute moechte ich viel mehr von ganz alltaeglichen Dingen erzaehlen, vom bolivianischen Volk und von meinem Leben hier in Bolivien. Dazu hab ich auch ein paar anschauliche und sehenswuerdige Fotos.

Also, fuers erste moechte ich mal mit dem bolivianischen Fussball beginnen. Ich war naemlich am Samstag zum zweiten Mal bei einem Heimspiel meiner No. 1 Mannschaft hier in Bolivien:
"Bolivar La Paz". Am Samstag hat es zwar leider nur zu einem 0-0 gereicht, aber dennoch bleiben wir auf dem 2. Tabellenplatz, dicht hinter dem Tabellenfuehrer "Real Potosí".
Die Stimmung hier im ¨Siles-Estadium¨ ist zwar lang nicht so geil wie bei uns in der Allianz-Arena, aber es lohnt sich echt, zumal der Eintritt ins Stadion hier nur 1.50 Euro kostet und nicht wie bei uns uebertrieben viel. Auch muss man sagen, dass der bolivianische Fussball weit von unsrem Bundesliganiveau entfernt ist und eher an Kreisligaspiel erinnert, da manche Spieler den Ball hin uns wieder sinnlos in irgendeine Richtung kicken. Darueber hinaus endet hier fast jedes Spiel mit mindestens einem Platzverweis, 8 Verletzten (welche mit einem Golfwagen vom Spielfeld abtransportiert werden) und einem Schiedsrichter, der nach einem Spiel und ca. 70% Fehlentscheidungen von Sicherheitspolizisten begleitet das Spielfeld verlaesst. Ehrlich gesagt ist der bolivianische Fussball Chaotismus pur, wie eben auch das Volk in diesen Breitengraden.
Hier ein Bild von unsrem Fussballstadion in La Paz:
Was doch durchaus erstaunt, ist, dass sich das Stadion fast mitten im Zentrum der Stadt befindet. Somit fuehlt sich der Eintritt in dieses Stadion fast wie der Eintritt in eine andere Welt an, oder der Uebertritt von der "Dritten Welt" in die internationale Welt des Fussball.

Auch ist es nur ausserst selten der Fall, dass das Stadion (wie hier auf dem Bild zu sehen) komplett voll und ausverkauft ist. Dies ist naemlich nur bei Lokalderbys so. Bei sonstigen Spielen wirkt der Ort nahezu wie ein Geisterstadion, da vielleicht gerade einmal 6000 Zuschauer anwesend sind.

Ich werde auf jeden Fall ab jetzt immer dabei sein, in der Nordkurve und in Bolivar-Dress:


Aber jetzt wird es endlich mal Zeit, das Thema zu wechseln und ueber das zu sprechen, was mir hier zunehmend mehr auffaellt: Der Bolivianische Nationalismus. Dieser Nationalismus bzw. Patriotismus ist naemlich so verblueffend, dass es sich durchaus lohnt, ueber in zu berichten. Es handelt sich hierbei um ein nationales Zusammengehoerigkeitsgefuehl, wie es bei uns seit einstig dunklen Zeiten nicht mehr existiert. Es gibt hier quasi keinen Ort, an dem man die rot-gelb-gruene Landesflagge nicht erspaehen kann. Sogar die Bluete der bolivianischen Nationalpflanze traegt diese Farben. Darueber hinaus finden hier staendig irgendwelche Umzuege statt, bei denen die Unabheangigkeit von Spanien oder Sonstiges zelebriert wird; bei irgendwelchen Ligaspielen wird die bolivianische Nationalhymne gesungen und die bolivianische Volksmusik toent aus fast allen Ecken und Autos. Schon den Kindern wird in der Schule patriotisches Denken beigebracht. So las ich kuerzlichst in einem bolivianischen Geschichts-Schulbuch in Etwa folgendes: "Nach mittlerweile ueber 129 Jahren ohne Meerzugang, ist es nun unsere Pflicht, mit allen Mitteln darum zu kaempfen, uns den rechtmaessigen Zugang zum Meer von den Chilenen zurueckzuholen." Abgesehen davon wuerde ich dieses Nationalgefuehl jedoch nicht unbedingt als negativ bezeichnen, nein, ganz im Gegenteil handelt es sich hierbei um eine ganz individuelle Note, die das bolivianische Volk ausmacht und die mir in Deutschland doch irgendwie abgeht.

Hier ein Foto des bolivianischen Regierungspalastes am Plaza Murillo:


Aber, um nun wieder etwas persoenlicher zu werden, moechte ich noch von meinem Wochenende erzaehlen und ein paar Fotos von unserer Gruppe zeigen. Dieses Wochenende bestand fuer mich und meine Friends wohl eher aus zwei Naechten als zwei Tagen, da wir am Samstag bis 5 Uhr auf einer hammer geilen Studentenparty waren und ich am Sonntag erst um 9 Uhr morgens ins Bett kam - Harti weiss warum ;) Somit erhole ich mich hier eher unter der Woche vom Wochenende als andersrum - aber dafuer ist man ja jung.

Hier ein Foto von mir und meinen Jungs in der Kueche unserer WG:

Von links: Daniel, Ich, Samu, mein Zimmernachbahr Fidel und der 37-jaehrige Andres.

Hier die groessten Player und Best Friends Lateinamerikas (nach Evo, Hugo und Fidel):

Ich, Samu und Fidel @Biertrinken im "69 Fuckn' Tacos"

Hier ein Bild von mir und unserer mit Abstand huebschesten Mitbewohnerin Charlie:

Verdammt: Der Blick ist mir hier deutlich misslungen!!!


Und hier noch ein Bild von Enrique Iglesias bei seinem letzten Auftritt:


Oh man, das duerfte nach dem weggehn gewesen sein, ka was da falsch gelaufen ist.

Aber so weit so gut, naechstes Wochenende werde ich mit Sicherheit nicht weggehn, da Samstag und Sonntag die grosse Peregrinación (dt. Pilgerung) mit der ganzen Fundación und 2000 Kindern nach Copacabana am Largo Titicaca stattfinden wird, ein riesen Event. Und auch jetzt muss ich ganz schnell Heim, da ich mal wieder viel zu viel geschrieben habe und es schon wieder fast 7 Uhr ist und ich noch kein Gitarre geuebt habe - ich hab naemlich Morgen meine 2. Gitarrenstunde und kann schon ¨Pobre Diabla¨ auf der Gitarre spielen.

Also dann machts mal Alle gut soweit und ich lass so bald wie moeglich wieder von mir hoeren.

´Ta lue, Sebi

Samstag, 23. August 2008

Mal wieder Zeit zum Schreiben gefunden...

Hey Ho,

nach einer anstrengenden ersten Arbeitswoche habe ich nun endlich mal wieder Zeit gefunden, meinen Blog durch sinnvolles Gedankengut zu erweitern. Erstmal gibt es noch Einiges zu letztem Wochenende zu sagen. Wie ihr meinen Fotos wahrscheinlich schon entnehmen konntet, war ich vergangenes WE naemlich am Titicacasee, auf der Isla del Sol. Diese 2-taegige Reise, zu der ich und eine Mitvoluntaerin gegen Ende letzter Woche ganz spontan durch den Padre (Leiter der Fundaciòn) eingeladen wurden, traten wir, das sind Ich, Laura, Teamerin Johanna, Padre und ein aelteres Ehepaar aus Deutschland (potentielle Spender, die gerade zu Besuch in Bolivien sind und sich die Fundaciòn genauer anschauen wollen) letzten Samstag um 8 Uhr morgens an. Da ich es mir aber nicht nehmen lies, mit den Anderen am Freitag Abend noch bis 7 Uhr wegzugehen, war ich am Samstag Morgen nach weniger als 1er Stunde Schlaf auch dem entsprechend muede. Weggehen ist hier immer der hammer, allein deshalb, weil sich hier im "Mladenschen Sinn" (wie das Andi so schoen ausdrueckte) immer so einiges geht - wirklich eher zu viel als zu wenig; da ist es meistens schon schwierig, jemd. zu finden, mit dem man nur reden will ;)
Aber nun wieder zurueck zum Titicacasee. Also, die Reise begann am Samstag Morgen mit 6 Personen, von denen aber eine nur koerperlich anwesend war - das aenderte sich aber im Laufe der etwa 3-stuendigen Fahrt im Privatbus des Padre zum Largo Titicaca. Unterwegs kamen wir u.a. auch durch die Millionenstadt El Alto, welche noch hoeher liegt als La Paz, und die nichts Anderes ist, als eine Ansammlung der aermsten Menschen der Welt in den aermlichsten Hausern der Welt. Wirklich, da oben geht nochmal was ganz Andres ab, wie in La Paz. Auch durchaus erbluefft waren wir ueber den imensen Einfluss des Padres, der fast dem eines hohen Diplomaten oder Politikers gleicht: Unser Padre sagte zu dem Beamten an der Mautstelle einfach "Ich bin Padre Josè von der Fundaciòn Arco Iris", drueckt ihm 5 Bonbons in die Hand und faehrt weiter... wirklich unglaublich.
Angekommen in Copacabana am Titicacasee - dem wahrscheinlich beruehmtesten Pilgerort der Welt - gab es erstmal eine frische Forelle, bevor wir dann gegen Mittag mit einem kleinen Boot zur Isla del Sol uebersetzten. Die Ueberfahrt dauerte ungefehr 90 Minuten. Der Titicacasee - uebrigens 11Mal so gross wie unser Bodensee in Deutschland - ist einfach gigantisch, er gleicht einem kleinen Meer, Horizont, unbeschreibliche Weiten, im Hintergrund die weiss bedeckten Kordilleren der Anden... einfach Wahnsinn.
Aber das Alles ist noch lange nichts gegen das, was sich uns dann auf der Isla del Sol, Insel mitten im Titicacasee, offenbarte. Das Panorama laesst sich nichtmal auf den Fotos zureichend vermitteln:
Blick ueber den ganzen Titicacasee nach allen Seiten, bis nach Perù, die kleinen Inseln mit ihren lieblichen Buchten, die schneebedeckten Anden, der Sonnenuntergang auf der einen und gleichzeitig der Mondaufgang auf der anderen Seite, ein riesiger Mond, der sich in den unendlich weiten Waessern spiegelt... einfach nur krass.
Ich wage mich zu behaupten, dass derjenige, der das in seinem Leben nicht erlebt hat, wohl etwas verpasst.
Dazu kam noch, dass wir in dem wohl nobelsten Hotel auf der Isla del Sol naechtigten, ein Oekohotel fuer insgesamt 110 US-Dollar/Nacht. Mein Zimmer teilte ich mit Padre Josè;
ein bisschen komisch ist das Gefuehl, mit einem 70-jaehrigen Pfarrer im Zimmer zu schlafen, zwar schon, aber das gute Gefuehl, nach langer Zeit endlich Mal wieder eine Heizung und warme Dusche im Zimmer zu haben, war dafuer umso behaglicher.
Am Sonntag gings dann leider schon wieder zurueck nach La Paz, aber die Reise hat sich mehr als gelohnt. Erst spaeter erfuhr ich, dass Patrick und Isi, zwei andere Voluntaere, die zwar nicht mit uns wohnen, aber auch fuer die gleiche Fundaciòn arbeiten, zur gleichen Zeit wie wir auf der Isla del Sol waren und sich dort verlobten... nun einen romantischeren Ort auf der Welt fuer solch einen Akt kann selbst ich mir nicht vorstellen.
Aber nun erstmal soviel zu meiner ersten groesseren Reise hier in Bolivien.
So entspannend der Titicacasee ist, so anstrengend ist auch der Alltag hier, die Arbeit.
Der Job ist super- schoen und auch abwechslungsreich, das Personal ist cool drauf und die Kinder lieben dich einfach, streiten sich sogar gegenseitig um deine Aufmerksamkeit und Zuneigung; ich bin einfach die ganze Zeit irgendwie in Action, da ist es oftmals sogar schwierig, meine eigenen Kraftreserven nicht zu ueberschreiten. Ansterngend ist es ungemein, den ganzen Tag 8 Stunden lang von fast hundert 7-14 jaehrigen Kindern umgeben zu sein, um halb 6 heimzukommen und dann noch eine frontpicturely Englischstunde oder irgendeinen Vortrag vorzubereiten. Meistens falle ich schon um 10 Uhr tot muede ins Bett. Diese Woche haben wir darueber hinaus mit den Kindern des Projekts noch zwei Exkursionen gemacht: Dienstag waren wir bei "La Razòn", der bolovianischen Tageszeitung (in der unsere Gruppe dann einen Tag spaeter auf dem Titelblatt erschien) und Mittwochs waren wir in einer Schokoladenfabrik, wo wir die Herstellung von Negerkuessen und allen moeglichen Schokoprodukten begutachten konnten. Freitag war aber der bislang haerteste Arbeitstag: Vormittags 2 Stunden Mitarbeiterversammlung (so eine Art Lehrerkonferenz) und Abends eine interne Feier der Fundaciòn bis 8 Uhr. Aber man gewoehnt sich auch immer mehr an diese Arbeitszeiten. Und die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man was zu tun hat.
Diese Woche habe ich in einer freien Stunde erstmals so richtig gekocht, persischer Kebap mit meinen persischen Gewuerzen, die ich aus Deutschand mitgebracht habe... Alle waren begeistert und der Geruch des Essens erweckte bei mir irgendwie heimatliche Gefuehle/ auch wenn dies etwas strange klingen mag.
Da wir Gestern nicht weg waren, sondern die Verlobung von Patrick und Isi bei uns Zuhause mit kaltem Buffet und Sekt gefeiert haben, werden wir nun heute clubben. Auch haben wir von einem deutschen Restaurant gehoert, in dem es wohl Erdinger Weissbier und Wiener Schnitzel geben soll und das wir demnaechst unbedingt mal ausfindig machen wollen.
Das wars auch schon wieder fuer heute. Ich wuensche allen Lesern noch ein schoenes Wochenende und wer mich mal anrufen moechte, kann dies gerne tun, muss sich aber bewusst darueber sein, dass wir hier in Bolivien in der Zeit 6 Stunden zurueck liegen. Billige Vorwahlen zum Telefonieren gibts z.B. im Internet, unter www.billigvorwahlen.de. Ich freue mich ueber jeden Anruf.

Lg, Sebi

Donnerstag, 14. August 2008

Neues aus La Paz

Hi Friends,

nun hab ich endlich mal wieder Zeit gefunden, um in meinem Blog weiterzuschreiben. Es gibt mal wieder viel zu erzählen.
Gut, erst einmal sehe ich mich dazu verpflichtet, meine einstige Aussage über die Menschen hier in La Paz zu modifizieren oder besser gesagt zu detailisieren. Als ich nämlich in meinem zweiten Blog-Eintrag schrieb, den Menschen hier in Bolivien sei der „Schmerz ins Gesicht geschrieben“, meinte ich nicht, die Menschen würden hier definitiv leiden und seien deswegen uns ‚Ausländern’ gegenüber unfreundlich oder missgünstig. Nein, ganz im Gegenteil, die Menschen hier halten sehr viel von uns Deutschen und schätzen uns sehr hoch. Als ich beispielsweise mit 2 Kollegen einen kleinen Laden in La Paz betrat, um ein paar Souvenirs zu kaufen, überlies uns die Ladenbesitzerin kurzzeitig ihr Geschäft, um Babynahrung für ihr kleines Kind aus einem Nachbarladen zu besorgen. Sie meinte, wir sollten auf ihren Laden kurz aufpassen, denn „uns Deutschen könne man immer vertrauen“.
Ein anderer kleiner Erfolg, den ich vor einigen Tagen verzeichnen konnte, war, dass ich dem Besitzer des Internetcafes von nebenan gezeigt habe, wie man ganz einfach mehrere Fotos verkleinern und dann auf ein Blatt Papier drucken kann, nachdem jener dies über eine halbe Stunde vergebens versucht hatte. Dies sind die kleinen Schritte der Entwicklungsarbeit, die ich hier vollziehe, die aber wieder neue Motivation für neue Anstrengung mit sich bringen.
Am Freitag praktizierte ich erstmals Sport hier in La Paz. Der Sport nennt sich Walley-Ball und erinnert doch sehr an unser Volley-Ball, obwohl die Regeln doch etwas anders sind. So wird Walley-Ball in einer sehr kleinen Halle gespielt, die eher an einen Squash-Court erinnert und durch ein Netz in 2 Hälften unterteilt ist. Da es bei diesem Spiel erlaubt ist, Wände und Decke als Bande zu benutzen, ist Walley-Ball ein schnelleres und deshalb auch konditionell anspruchsvolleres Spiel als unser Volley-Ball. Kann sein, dass mir dies aber auch nur so vorkommt, da die Höhe von 3600 Metern uns immer noch zu schaffen macht. Ganz ehrlich, schon nach wenigen Sprints denkst du, dir zerreisst es die Lunge. Auch beim Fußball haben die Bolivianer eine Sonderform erfunden; diese nennt sich Futsal. Überhaupt sind die Bolivianer fußballverrückter wie kein anderes Volk, dem ich je begegnet bin – außer unserem vielleicht. Allein hier in La Paz gibt es 3 Top-Fussballclubs: The Strongest, Bolivar und FC La Paz. Wir wollen demnächst auch mal ins Stadion gehen – jetzt müssen wir uns nur noch für eine Mannschaft entscheiden. Auch im Fitnessstudio bin ich seit Freitag angemeldet. Das Fitnessstudio ist zwar kleiner als ein Wohnzimmer und die Geräte sind auch äußerst rar, aber der Monatsbeitrag beträgt gerade einmal 5 €.
Nun auch noch Etwas zum Kulinarischen. Hier in Bolivien isst man Kartoffeln, Gemüse, meist scharf und v.a. sehr viel Fleisch. Das bolivianische Nationalgericht nennt sich Pique Macho, was im Grunde nichts anderes ist als ein großer Fleischberg, der besteht aus allen möglichen Sorten Fleisch. Sehr typisch sind auch die gebratenen Bananen, die zu fast jeder Speise serviert werden. Zum trinken gibt’s Cola, Wein oder Bier (hauptsaechlich Pilsener).
Des Weiteren waren wir vorigen Dienstag das erste Mal richtig ¨fuhrt¨. Die Diskotheken hier sind eher klein, den Alkohol gibt’s aus Eimern, Reggaeton, Perreo, Latinas, einfach alles, was ein Sebito so braucht. Da ist es schade, dass wir dieses Wochenende nicht weggehen konnten. Das lag daran, dass am Sonntag Wahlen waren und deshalb alle Lokalitäten für 48 Stunden- also das ganze WE – schließen mussten… damit die Bolivianer wohl nicht besoffen zum Wählen gehen??? Nicht einmal Taxis durften fahren, da waren die Straßen wie leergefegt.
Apros, Evo Morales bleibt nach einem grandiosen Wahlsieg (64% Zustimmung) bolivianischer Präsident. Die Wahlen verliefen im ganzen Land überraschend friedlich und ruhig
(3 Mal Holzklopf).
Übrigens habe ich noch gar nicht erwähnt, wie ich hier wohne: Also, ich lebe zusammen mit den 14 anderen Volontären von meiner Fundación zusammen in einem riesigen Haus. Mein Zimmernachbar heisst Fidel und wir besitzen das beste Zimmer der WG – eine Suite im ersten Stock, einziges Balkonzimmer (mit Blick über die Berge), die Bolivienflagge hängt vom Balkon hinab, die Kubaflagge vom Fensterriemen- eine Deutschlandflagge suchen wir seit mehreren Tagen verzweifelt; mein Bett, mit dem Schlafsack, der noch 3 zusätzliche Decken und eine Wärmflasche benötigt, um mich ausreichend zu wärmen, steht in diesem Zimmer. Einzige Hoffnung, dass es bald Gott sei Dank Frühling werden soll – dann wird es nachts wärmer und bleibt laenger hell.
Auch habe ich bis jetzt noch nicht von den Straßenkötern hier in La Paz erzählt. Es ist nämlich so, dass die Stadt, v.a. wenn es dunkel wird, „von Hunden regiert wird“.
So kann es gut passieren, dass, wenn man abends in die Disko geht, 3 Hunde auf dem Gehsteig an einem vorbeispazieren, ganz so als hätten sie auch ein bestimmtes Ziel, das sie verfolgen. Die Hunde sind aber im Normalfall ganz zahm, sodass ich mir keine Sorgen machen muss, da ich die Tollwutimpfung ja entbehre.
Und nun die wichtigste aller Informationen: Nach langen Diskussionen und viel hin und her steht die Projekteinteilung nun endgültig fest. Meine Projektstelle nennt sich Casa Betania.
Mein Aufgabenbereich ist zweigeteilt:
Apoyo pedagógico: Lehreraufgaben, Englischunterricht, Hausaufgabenhilfe, Musikalisches,
Sport, Freizeitgestaltung
Guardería: Aushilfe im Kindergarten, Kinder zum Arzt begleiten, Familienbesuche
und Sozialarbeit, Vermittlung zu anderen Projekten der Fundación
Das sind zumindest theoretisch meine Aufgabenbereiche. Genaueres weiß ich noch nicht, denn mein erster Arbeitstag ist erst morgen. Nebenbei besteht bei meiner Arbeitsstelle noch der große Vorteil, dass diese von unserem Haus innerhalb von 10 Minuten zu erreichen ist.
Das wars dann auch schon wieder für heute. Da mich in letzter Zeit mehrere nach meiner Telefonnummer hier in Bolivien gefragt haben, möchte ich diese nun bekannt geben.
Ich bin hier im Haus unter der Telefonnummer 00591 / 22731972 zu erreichen. Vor die Nummer sollte man jedoch noch eine billige Vorwahl vorwählen, z.B. die 01015; da kostet das Gespräch nur wenige €/Cent pro Minute. Also das wars jetzt endgültig.

Aaales Klar und biiis dann,
Ciao, Sebi

Dienstag, 5. August 2008

Vorstellung der Gefaehrten

Hi Fans,

es ist zwar erst ein Tag seit meinem letzten Eintrag vergangen, aber mir faellt gerade ein, dass ich die Leute, mit denen ich zusammen hier bin, noch gar nicht wirklich vorgestellt habe. Wen dieser kleine Exkurs nicht interessiert - bitte ueberspringen. Also, da waeren...

Jungs:

1. Fidel: Kettenraucher, leidenschaftlicher Biertrinker und mein treuer Zimmernachbar
2. Samu: Kettenraucher , mit 25 der Aelteste von uns und staendig auf dem Klo
3. Max: Ein richtiger Sunnyboy, Schwarm aller Maedchen, Gitarrenprofi... kommt manchmal aber auch etwas metro rueber
4. Miguel: Auch genannt der Baer, wegen seines enormen Koerperumfangs, labert viel Sch****
aber immer sau lustig
5. Daniel: Cellospieler und Chorsaenger bei den Augsburger Domspatzen, meidet eher das exzessive Leben, ist immer sehr sarkastisch

Maedels:

6. Linda: Lacht viel, v.a. ueber sich selber; huebsch und ... leider zu spaet :)
7. Julia: Jeder Bolivianer pfeift ihr hier hinterher; sie bringt selbst oft peinliche Versprecher: z.B.,
wenn die Sonne scheint, sagt sie "soy muy muy muy caliente" (dt. ich bin so so so heiss)
8. Barbi: Gruppensprecherin, bis jetzt aber immer karnk
9. Sophie: Spricht besser Spanisch als ich, jedoch in argentinischem Dialescht
10. Eva: Amazonenaehnliche Koerpergroesse; denkt immer das, was ich auch denke
11. Charlie: Sie lebte 3 Jahre in den USA, verwechselt deshalb manchmal die Sprache, ist aber pretty nice; ist immer nur 1/4 ihres Tellers auf , deshalb teile ich gerne mit ihr
12. Laura: Pferdefanatikerin, will in fremde Kulturen´eintauchen`
13. Ella: Polin, deshlab habe ich die Moeglichkeit meine Polnischkenntnisse zum Ausdruck zu
bringen
14. Lee: Ich kenne sie noch nicht wirklich

Sonstige Voluntaere:

15. Andres: Amerikaner, leidenschaftlicher Taenzer, junges Herz aber hohes Alter (37)
16. Rosario: Chilenin, studierte Physiotherapeutin; ihr Traum ist es, Fische zu therapieren
17. Isi & Patrick: Bilden ein Paar, kommen beide aus dem Schwoabenlaendle

Meine Wenigkeit:

18. Sebito: immernoch der Alte + geht heute Abend Perreo tanzen (ihr kennt mich !!!)

So, jetzt wisst ihr mit wem ich hier so abhaenge. Ich entschuldige mich natuerlich fuer den teils ironischen Beigeschmack, aber die wichtigsten Infos sind enthalten, um sich ein ausgepraegtes Bild meiner Kollegen hier machen zu koennen.

Melde mich in den naechsten Tagen wieder.

Sebi

Montag, 4. August 2008

1 Week - still alive

Liebe Leute,

ich bin mittlerweile seit einer Woche in der bolivianischen Hauptstadt La Paz und es gibt Einiges zu erzaehlen. Da ich letzte Woche einige Tage nicht in der Stadt sondern in einem kleinen Dorf ca. eine Busstunde von hier entfernt war, konnte ich auch leider nicht in meinem Blog schreiben. Nachdem wir die rigurose Busfahrt in das Dorf namens Achocalla ueberlebt hatten - der Bus ist mehrmals fast einen Abhang hinuntergestuerzt- , da die unausgebauten Strassen (besser gesagt: Sandwege) teilweise unbefahrbar sind, kamen wir in dem laendlichen Andendorf an, wo wir 3 Tage verbrachten. Jedoch ist dieses Dorf nicht eines, wie man es aus Deutschland kennt, sondern eher eine Ansammlung verkommener Baracken oder unfertiger Haeuser. Tiere laufen auf den "Strassen" umher und alte Dorfbewohner sitzen am Strassenrand. Die unindustrialisierte Landschaft gleicht der - wie sie bei uns im fruehen 19. Jahrhundert wohl gewesen sein mochte. Unsre Gruppe hingegen tagte und naechtigte nicht in einer solchen "Bauernbaracke" sondern - im deutlichen Kontrast dazu - in einer riesigen Landhausvilla mit riesigem Grundstueck. Das Panorama, welches sich uns von unserer Finca aus offenbarte, ist fast unbeschreiblich: Blick ueber das gesamte Andental, eine unberuehrte Landschaft, wie sie in Deutschland nirgendwo vorzufinden ist, am Horizont die schneebedeckten 6000er Berge... einfach der Wahnsinn.
Die Temperatur hier ist sehr gewoehnungsbedeurftig, um nicht zu sagen unertraeglich. Tagsueber verbrennt dir die Sonne die Haut bei ueber 30 Grad und Nachts gefriert das Wasserglas neben meinem Bett. Das Duschwasser ist wenigstens warm, wenn es jedoch ueberhaupt fliest; vor 2 Tagen beispielsweise musste ich mich morgens mit einer halb - gefrorenen Flasche Trinkwasser duschen, da aus der Leitung kein Tropfen Wasser kam-> das regt den Kreislauf an ;)
Mittlerweile ist ca. die Haelfte unsrerer Gruppe von 15 Voluntaeren erkrankt - hauptsaechlich an Durchfall und Erbrechen. Das liegt daran, dass es hier in der Dritten Welt viele Bakterien und Keime gibt (v.a. im Essen), die wir Europaerer nicht gewohnt sind. Ich hingegen bin Gottseidank noch relativ fit.
Was es noch zu sagen gibt ist, das die Stadt La Paz seit einigen Tagen sehr unruhig geworden ist, was auf politische Gruende zurueckzufuehren ist. Am 10. August findet in Bolivien naemlich ein sog. revocatorio (dt. Misstrauensvotum) statt. Hierbei versuchen einige Interessensparteien (grossteils aus dem bolivianischen Tiefland) den gegenwaertigen Presidenten Evo Morales zu stuerzen. Die Bevoelkerung hier in La Paz steht jedoch voll hinter Evo Morales, da er die Interessen der indigenen Bevoelkerung hier im Hochland unterstuezt. Die Unruhen aeussern sich in Strassenblockaden und Aufstaenden hier im Zentrum von La Paz: vor einigen Tagen sprengten Demonstranten den Eingangsbereich der internationalen Postbehoerde hier in La Paz mit Dynamitstangen in die Luft u.a. - nun wir koennen nur hoffen, dass jener 10. August moeglichst schnell vorbeigeht... aber trotz Allem besteht kein Grund zur Sorge, da in unserem Viertel bisher alles ruhig ist.
Aus musikalischer Sicht koennte es mir hier nicht besser gehen: Reggaeton in all seiner Vielfalt, ueberall und zu jeder Tageszeit... d.h. alles, was ich zum Leben brauche. Was mich jedoch wahnsinnig aufregt ist, dass Daddy Yankee im April hier in La Paz war und ich ihn somit verpasst habe. Jedoch werde ich zusammen mit einem Freund demnaechst zu einem Reggaeton-Konzert nach Santiago de Chile fahren (Santiago laesst sich mit dem Bus von hier in ca. 8 Stunden erreichen).
AUS war ich bis jetzt noch nicht, da wir alle von der Hoehenumstellung noch sehr geschwaecht sind und deshalb abends immer total muede. Aber morgen werden wir mit ein paar bolivianischen Freunden ausgehen - denn Mittwoch ist Nationalfeiertag. Was irgendwie lustig ist, ist, dass die Feiertagsfeierlichkeiten (Umzuege usw.) schon heute stattfinden, damit die Leute dann am Mittwoch ihren Rausch vom Dienstagabend ausschlafen koennen; nun der Alkoholkunsum hier in Bolivien ist unermesslich. Das liegt daran, dass die Leute sich hier so zudroehnen muessen, um den Schmerz der Armut so zu uebertoenen. Doch nicht nur der Alkoholkomsum ist heftiger als in Deutschland, sondern auch die Feierlichkeiten fallen lauter und bunter aus: die Menschen tanzen auf der Strasse, musizieren, feiern, trinken ...
Heute in der frueh waren wir alle beim Amtsarzt, um ein aerztliches Gutachten fuer unser Visum zu erhalten; und die Untersuchungen dauerten ewig: meines Achtens reine Schikane, denn was hat meine Blutgruppe, Blutdruck und Zahnstellung mit einem Visum zu tun. Aber die Schikane von sog. "Gringos" (wie man uns beleidigenderweise oftmals nennt), gehoert hier zum Alltag.

Das wars auch wieder fuer heute, es ist 16 Uhr und ich geh jetzt bisschen pennen, da ich schon seit 7 Uhr wach bin und so ein Tag in La Paz wahnsinnig muede macht. Zu arbeiten beginne ich zwar erst uebernaechste Woche, jedoch muessen wir uns bald alle fuer eine Projektstelle entscheiden. Deshalb werde ich mir in den naechsten Tagen mal alle Projekte anschauen...
Ich bemuehe mich auch darum, moeglichst bald Bilder hochzuladen.

Bis dann, Sebi